Führungsstile im Wandel


Der Erfolg eines Unternehmens hängt maßgeblich von der Qualität seiner Führung ab. In einer zunehmend komplexen und dynamischen Welt reicht es nicht mehr aus, lediglich Anweisungen zu geben und Prozesse zu kontrollieren. Moderne Führungskräfte müssen in der Lage sein, Teams zu inspirieren, Wandel voranzutreiben und eine Kultur des Vertrauens und der Eigenverantwortung zu schaffen. Dieser umfassende Leitfaden beleuchtet die Grundlagen der Führungsforschung, stellt die wichtigsten traditionellen und modernen Führungsstile vor und bietet eine fundierte Analyse ihrer praktischen Anwendung, Herausforderungen und Erfolgsmessung im 21. Jahrhundert.
Ein Führungsstil ist die charakteristische Art und Weise, wie eine Führungskraft ihre Verantwortung wahrnimmt, ein Team leitet und die Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeitenden gestaltet. Er beschreibt die grundlegende Haltung und das Verhaltensmuster, mit dem Ziele gesetzt, Entscheidungen getroffen und Mitarbeitende motiviert werden. Dieser Stil ist kein statisches Merkmal, sondern das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels zwischen der Persönlichkeit der Führungskraft, den Erwartungen des Teams, der Unternehmenskultur und den spezifischen Anforderungen der jeweiligen Situation.
Die historischen Entwicklungen in der Führungsforschung spiegeln den Wandel der Arbeitswelt wider. Frühe Ansätze konzentrierten sich auf starre, hierarchische Modelle, die eine klare Trennung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden vorsahen. Im Laufe der Zeit wurde erkannt, dass dieser Ansatz in einer immer komplexeren Arbeitswelt an Grenzen stößt. Die Forschung verlagerte ihren Fokus von der reinen Aufgabenverteilung hin zur zwischenmenschlichen Interaktion, zur Förderung von Eigeninitiative und zur Schaffung von flexiblen, anpassungsfähigen Rahmenbedingungen, die den Mitarbeitenden mehr Autonomie einräumen. Dieser Übergang vom starren Denken zu dynamischen Konzepten ist der Kern des modernen Führungsverständnisses.
Obwohl die Begriffe „Führung“ (Leadership) und „Management“ oft synonym verwendet werden, beschreiben sie grundlegend unterschiedliche Konzepte, die für den nachhaltigen Erfolg eines Unternehmens von entscheidender Bedeutung sind. Das Management ist primär darauf ausgerichtet, den bestehenden Betrieb aufrechtzuerhalten und Stabilität zu gewährleisten. Manager verwalten den Status quo, überwachen Abläufe, organisieren Ressourcen und stellen sicher, dass die täglichen Aufgaben effizient erledigt werden. Sie kümmern sich um die Beantwortung der Fragen nach dem „Wie“ und „Wann“ bei der Umsetzung von Projekten. Ein Marketing Manager beispielsweise sorgt dafür, dass Werbekampagnen termingerecht und im Budgetrahmen durchgeführt werden.
Führung hingegen ist der Prozess, der Wandel initiiert und die Richtung für die Zukunft vorgibt. Führungskräfte sind Visionäre, die Menschen inspirieren, auf eine gemeinsame Mission ausrichten und das Unternehmen auf noch unbekannte Wege führen. Ihre Aufgabe ist es, die grundlegenden Fragen nach dem „Warum“ und „Was“ zu beantworten. Im Gegensatz zum Manager, der eine bestehende Kampagne verwaltet, würde ein Leader die Expansion der Marke in einen neuen Kontinent planen oder die Entwicklung einer völlig neuen Produktlinie anstoßen.
Die Trennung zwischen Management und Führung ist historisch begründet, aber in der modernen Geschäftswelt veraltet. Die Vorstellung, dass ein Unternehmen entweder von Managern oder von Visionären geführt wird, ist irreführend. Ein Unternehmen, das ausschließlich auf Management setzt, mag stabil sein, wird jedoch Innovationen verpassen und im Wettbewerb stagnieren. Ein rein von visionärer Führung getriebenes Unternehmen ohne die Struktur und Effizienz des Managements kann in Chaos und Instabilität enden. Die tatsächliche Stärke liegt in der Kombination beider Ansätze. Ein Manager kann sich zu einer Führungskraft entwickeln, indem er seine Mitarbeitenden motiviert, neue Perspektiven sucht und kreative Problemlösungen fördert. Das Idealbild der modernen Arbeitswelt ist die synthetische Führungskraft, die sowohl die Effizienz der Prozesse sicherstellen als auch die Inspiration für den notwendigen Wandel liefern kann. Diese Fähigkeit, beide Rollen zu vereinen, ist eine Kernanforderung, um in der heutigen, schnelllebigen Arbeitswelt erfolgreich zu sein.
Die traditionellen Führungsstile bilden das Fundament der modernen Führungstheorie. Obwohl sie in ihrer Reinform heute selten anzutreffen sind, stellen sie die archetypischen Verhaltensmuster dar, aus denen sich die neueren Konzepte entwickelt haben.
Kurt Lewin, ein Pionier der Sozialpsychologie, legte mit seinen Studien aus dem Jahr 1939 den Grundstein für die systematische Klassifizierung von Führungsstilen. Die von ihm identifizierten Ansätze sind nach wie vor zentrale Bezugspunkte in der Diskussion über Führung.
Neben Lewins Klassifizierung haben weitere Theoretiker wie Max Weber die Führungsforschung maßgeblich beeinflusst, indem sie Stile basierend auf Machtgrundlagen und Organisationsstrukturen analysierten.
Weitere Ansätze ergänzen dieses Spektrum, darunter der Managerial Grid von Blake und Mouton, der Führung anhand der beiden Dimensionen Aufgaben- und Mitarbeiterorientierung analysiert, und der gruppenbezogene Führungsstil nach Horst-Joachim Rahn, der sich an den individuellen Verhaltensweisen der Teammitglieder orientiert.
Die modernen Führungsansätze verstehen Führung nicht mehr als eine statische Eigenschaft, sondern als eine dynamische und anpassungsfähige Kompetenz.
Sie basieren auf der Erkenntnis, dass der Erfolg einer Führungskraft davon abhängt, wie gut sie auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden und die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Situation eingehen kann.
Diese beiden Konzepte beschreiben die wohl am häufigsten diskutierten Führungsansätze der letzten Jahrzehnte und werden oft als die Weiterentwicklung traditioneller Stile betrachtet.
Die beiden Stile sind keine Gegensätze, sondern ergänzen sich ideal im Rahmen des Full Range of Leadership Model. Für routinemäßige Aufgaben kann eine transaktionale Führung effizient sein, da sie klare Vorgaben und eine einfache Struktur schafft. Für komplexe, nicht-routinemäßige Aufgaben, die Kreativität und Problemlösung erfordern, ist die inspirierende Wirkung der transformationalen Führung jedoch entscheidend. Die Fähigkeit, den richtigen Stil je nach Aufgabe anzuwenden, ist ein Kennzeichen einer reifen Führungskraft.
Der situative Führungsstil ist eine Weiterentwicklung der Kontingenztheorie von Fred Edward Fiedler und betont die Anpassungsfähigkeit der Führungskraft. Anstatt sich auf einen einzigen Stil festzulegen, passt die Führungskraft ihr Verhalten an die jeweilige Situation und den individuellen Reifegrad des Mitarbeitenden an. Hierbei werden die Fähigkeiten, die Motivation und der Entwicklungsstand des Teammitglieds berücksichtigt. Bei einem unerfahrenen Mitarbeiter ist ein direktiver, anleitender Stil angemessen, während ein hochkompetenter und motivierter Mitarbeiter mehr Autonomie und Delegation benötigt. Dieser Ansatz erfordert eine hohe soziale und emotionale Kompetenz der Führungskraft, da sie permanent die Dynamik innerhalb des Teams bewerten und ihren Führungsansatz entsprechend anpassen muss.
| Führungsstil | Beschreibung | Fokus | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|---|
| Autoritär | Führungskraft trifft alle Entscheidungen und kontrolliert strikt. | Hierarchie, Anweisung, Kontrolle | Schnelle Entscheidungen, klare Strukturen | Geringe Kreativität, wenig Eigeninitiative, hohe Fluktuation |
| Kooperativ | Entscheidungen werden im Team diskutiert und getroffen. | Partizipation, Partnerschaft, Konsens | Hohe Motivation, gutes Arbeitsklima, Kreativität | Langwierige Entscheidungsfindung, potenziell ineffizient |
| Laissez-faire | Maximale Freiheit und Autonomie für das Team. | Delegation, Eigenverantwortung | Maximale Kreativität, Freiheit für Mitarbeitende | Gefahr von Orientierungslosigkeit und Chaos, geringe Zielbindung |
| Transaktional | Austauschprinzip: Belohnung für Leistung. | Effizienz, klare Vorgaben, extrinsische Motivation | Klarheit, hohe Effizienz bei routinemäßigen Aufgaben | Unterdrückt intrinsische Motivation und Innovation |
| Transformational | Inspiration und Motivation der Mitarbeitenden durch Vision und Werte. | Vision, persönliches Wachstum, intrinsische Motivation | Steigert intrinsische Motivation und Performance, hohe Mitarbeiterbindung | Nicht immer geeignet für einfache Aufgaben, erfordert starke Leader-Persönlichkeit |
| Situativ | Führungsstil wird an Situation und Reifegrad des Teams angepasst. | Flexibilität, Anpassung, Individualität | Hohe Anpassungsfähigkeit, holt das Beste aus dem Team heraus | Erfordert hohe emotionale Intelligenz und analytische Fähigkeiten |
| Servant Leadership | Die Führungskraft dient dem Team, stellt die Bedürfnisse der Mitarbeitenden über eigene. | Empathie, Dienst, Befähigung | Hohes Vertrauen, gesteigerte Moral und Kreativität, verbesserte Geschäftsergebnisse | Kann langwierig sein, erfordert starken Kulturwandel |
| Agil | Wert auf Flexibilität, Selbstorganisation und schnelle Anpassung. | Zusammenarbeit, Innovation, Kundennutzen | Fördert Innovation und Eigenverantwortung, schnellere Umsetzung von Veränderungen | Kann in statischen Umgebungen zu Unsicherheit führen |
Die rasante Digitalisierung, der Wandel der Arbeitskulturen und die zunehmende Komplexität der globalen Wirtschaft stellen Führungskräfte vor neue Herausforderungen. Aus diesen Entwicklungen sind spezialisierte Führungsansätze entstanden, die auf die Anforderungen der modernen Arbeitswelt zugeschnitten sind.
Der Trend zu New Work hat auch die Führung grundlegend verändert. Während traditionelle Ansätze oft auf Kontrolle und Hierarchie basierten, steht im Kontext von New Work die Gestaltung von Beziehungen im Vordergrund. Die Rolle der Führungskraft verschiebt sich vom Befehlsgeber hin zum Coach, Moderator und Katalysator, der die Mitarbeitenden zur Eigenverantwortung befähigt.
Ein zentraler Aspekt von New Leadership ist die Etablierung einer Vertrauenskultur und die Schaffung von psychologischer Sicherheit. In einer Umgebung, in der sich Mitarbeitende trauen, Fehler zu machen, Kritik zu äußern und Schwächen zu zeigen, ohne Sanktionen zu fürchten, kann Zusammenarbeit erst wirklich gelingen. Dieser Wandel von einer reinen Kontrollmentalität zu einem Vertrauensansatz wurde insbesondere durch die verstärkte Verbreitung von Remote-Arbeit während der Pandemie beschleunigt. Ohne die physische Präsenz im Büro ist eine direkte Kontrolle kaum mehr möglich, was die Notwendigkeit von Vertrauen und Eigenverantwortung in den Vordergrund rückt. Dieser Umstand hat Führungskräfte dazu gezwungen, ihren Fokus von der Überwachung der Anwesenheit auf die Messung der Ergebnisse zu verlagern. Die Fähigkeit, einen Rahmen für selbstbestimmtes und ergebnisorientiertes Arbeiten zu schaffen, ist daher zu einer Kernkompetenz von New Leadership geworden.
Agile Führung ist ein direkter Ausdruck der Anforderungen der VUCA-Welt – einer Umgebung, die von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität geprägt ist. Dieser Stil legt großen Wert auf Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, Zusammenarbeit und die Fähigkeit, schnell auf sich ändernde Marktbedingungen zu reagieren. Agile Führungskräfte sehen sich als Enabler, die die Selbstorganisation und das Potenzial ihrer Teams fördern.
Anstatt starre, langwierige Projekte zu planen, setzen sie auf iterative Prozesse mit kurzen “Sprints” und täglichen “Stand-up-Meetings”, um schnell Prototypen zu entwickeln und kontinuierlich Feedback zu integrieren. Dieser Ansatz steigert die Effizienz und die Innovationskraft. Die Führungskraft muss eine Umgebung schaffen, in der Experimente und das Lernen aus Fehlern gefördert werden, was eigenverantwortliches Handeln und Kreativität ermutigt.
Der Servant Leadership-Ansatz stellt die traditionelle Hierarchie auf den Kopf, indem die Führungskraft sich in den Dienst ihres Teams stellt. Die zentrale Frage lautet nicht mehr „Wie kann ich der beste Leader sein?“, sondern „Wie kann ich meinem Team am besten dienen?“. Robert K. Greenleaf, der das Konzept prägte, beschrieb diesen Stil als eine Philosophie, die das Leben von Einzelpersonen bereichert, bessere Organisationen schafft und letztlich eine fürsorglichere Welt hervorbringt.
Zentrale Merkmale von Servant Leadern sind Zuhören, Empathie, die Förderung des persönlichen Wachstums anderer und die Bereitschaft, die Bedürfnisse des Teams über die eigenen zu stellen. Ein Servant Leader baut ein hohes Maß an Vertrauen auf, indem er Versprechen einhält, Fehler zugibt und Anerkennung großzügig vergibt. Dieser Stil führt zu einer gesteigerten Mitarbeiterzufriedenheit und -motivation, fördert Innovation und Eigenverantwortung und kann die Geschäftsergebnisse nachhaltig verbessern.
Die Führung digitaler und räumlich verteilter Teams hat sich zu einer eigenständigen Disziplin entwickelt. Virtuelle Führung erfordert eine hohe Medienkompetenz und die Fähigkeit, mithilfe digitaler Tools eine effektive Kommunikation und Zusammenarbeit zu gewährleisten.
Die zentralen Herausforderungen von Remote Leadership sind Kommunikationsbarrieren, die Schwierigkeit, die Teamzusammenarbeit aufrechtzuerhalten, die effektive Messung von Leistung und die Vermeidung von Mitarbeiterisolation. In einer Umgebung, in der nonverbale Signale fehlen, müssen Führungskräfte Empathie und emotionale Intelligenz bewusst einsetzen, um Missverständnisse zu vermeiden. Der Aufbau von Vertrauen wird zur grundlegenden Voraussetzung, um die physische Distanz zu überwinden. Regelmäßige, offene Kommunikation, die transparente Festlegung von Zielen und die bewusste Schaffung von virtuellen Treffpunkten sind entscheidend, um ein Gefühl der Zugehörigkeit und eine solide Unternehmenskultur zu bewahren.
Die theoretischen Konzepte der Führungsforschung werden in der Praxis selten in Reinform angewendet. Anhand von prominenten Beispielen lässt sich jedoch erkennen, wie unterschiedliche Führungsstile in spezifischen Kontexten zum Erfolg, aber auch zum Scheitern führen können.
Steve Jobs wird oft als Inbegriff des autokratischen Leaders beschrieben, der seine Entscheidungen im Alleingang traf und hohe, kompromisslose Erwartungen an sein Team stellte. Dieser Führungsstil ermöglichte es ihm, in kürzester Zeit kritische Entscheidungen zu treffen und das angeschlagene Apple in den 1990er-Jahren zu retten. Er handelte schnell und effizient, was in einer Krisensituation, in der klare und sofortige Anweisungen erforderlich waren, erfolgreich war.
Die Kehrseite dieses Stils war jedoch eine Kultur des Mikromanagements, die Kreativität und Eigeninitiative der Mitarbeitenden unterdrückte und zu Vertrauensproblemen innerhalb des Unternehmens führte. Der immense Druck und die extrem hohen Anforderungen, die Jobs an sich und sein Team stellte, waren für viele Mitarbeitende untragbar. Die größte Schwachstelle dieses Ansatzes liegt in seiner mangelnden Skalierbarkeit. Ein autokratischer Leader wie Jobs kann ein kleines, unerfahrenes Team schnell auf Kurs bringen, aber mit wachsender Unternehmensgröße kann eine einzige Person nicht mehr alle Entscheidungen treffen. Der Mangel an delegierter Verantwortung führt zur Überlastung des Leaders und zur Abhängigkeit des gesamten Unternehmens von einer einzigen Person.
Satya Nadella, CEO von Microsoft, verkörpert einen grundlegend anderen Führungsstil, der Empathie nicht nur als Soft Skill, sondern als strategischen Wettbewerbsvorteil einsetzt. Als er die Führung bei Microsoft übernahm, war die Unternehmenskultur von interner Konkurrenz geprägt. Nadella vollzog einen tiefgreifenden Wandel, indem er eine „Growth Mindset“-Philosophie etablierte, die Zusammenarbeit und kontinuierliches Lernen in den Mittelpunkt stellte.
Nadella hat bewiesen, dass eine menschliche, auf Empathie basierende Führungsphilosophie zu bahnbrechenden Geschäftsergebnissen führen kann. Er erkannte, dass die starre, wettbewerbsorientierte Kultur die Innovation hemmte. Indem er Empathie als Kernwert etablierte, konnte er strategische Entscheidungen treffen, die in der Vergangenheit undenkbar gewesen wären, wie die Verfügbarkeit von Microsoft Office auf konkurrierenden Plattformen wie Apple iPads. Diese Fähigkeit, die Welt „durch die Augen der Kunden“ zu sehen, ermöglichte eine Neuausrichtung des Unternehmens und eine erfolgreiche strategische Expansion. Nadella führt zudem transparent und nahbar, beispielsweise durch monatliche „Ask Me Anything“-Sessions mit den Mitarbeitenden, was das Vertrauen und die Bindung an das Unternehmen stärkt.
Traditionell wurde der Erfolg einer Führungskraft oft ausschließlich an harten Kennzahlen wie Umsatz, Rentabilität oder dem Erreichen von Deadlines gemessen. Moderne Führungskonzepte haben jedoch gezeigt, dass diese Metriken allein nicht ausreichen, um nachhaltige Führungseffektivität zu beurteilen.
Die Messung von Führungserfolg erstreckt sich heute auf den menschlichen Faktor, der den Grundstein für zukünftiges Wachstum legt. Wichtige nicht-traditionelle Kennzahlen umfassen:
Dieser Wandel in der Erfolgsmessung spiegelt die Verschiebung von der reinen Kontrolle zur Befähigung der Mitarbeitenden wider. Wenn die zentrale Aufgabe der Führungskraft darin besteht, ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen ihr volles Potenzial entfalten können, dann müssen auch die Messgrößen diesem Wandel folgen.
Neben den oben genannten weichen Faktoren lassen sich auch strategische Kennzahlen heranziehen, um Führungseffektivität zu quantifizieren. Das 360-Grad-Feedback, bei dem Mitarbeitende, Vorgesetzte und Kollegen die Führungskraft bewerten, ist ein wertvoller Frühindikator, der Aufschluss über die Wahrnehmung der Führungsbemühungen gibt.
Langfristige, strategische Kennzahlen dienen als Spätindikatoren für den Erfolg der Führung. Dazu gehören die Mitarbeiter-Haltequote, insbesondere bei Top-Performern, die Innovationsrate im Unternehmen oder die Kundenbindungsrate. Eine hohe Fluktuationsrate bei den leistungsstärksten Mitarbeitenden kann ein klares Signal für Mängel in der Führung sein. Umgekehrt ist eine stabile, loyale Belegschaft, die kontinuierlich neue Ideen generiert, ein starker Beleg für eine effektive Führungskraft.
| Kennzahl | Beschreibung | Typ | Relevanz für moderne Führung |
|---|---|---|---|
| Psychologische Sicherheit | Messung des Grades, in dem Teammitglieder sich sicher fühlen, Ideen, Bedenken oder Fehler zu teilen. | Frühindikator | Direkter Indikator für eine Kultur, die Innovation und offene Kommunikation fördert. |
| Mentoring-Wachstum | Zunahme der Mentoring-Beziehungen und des Wissensaustauschs im Team. | Früh-/Spätindikator | Zeigt die Fähigkeit der Führungskraft, zukünftige Leader zu entwickeln. |
| Konfliktlösungsrate | Effektivität und Geschwindigkeit, mit der eine Führungskraft Konflikte löst. | Frühindikator | Indikator für emotionale Intelligenz und die Fähigkeit, Teamharmonie zu wahren. |
| Umsetzungsrate von Ideen | Anteil der aus dem Team stammenden Ideen, die erfolgreich umgesetzt werden. | Spätindikator | Misst, wie gut eine Führungskraft Kreativität in greifbare Ergebnisse umwandeln kann. |
| Mitarbeiter-Haltequote | Prozentsatz der Mitarbeitenden, die dem Unternehmen über einen bestimmten Zeitraum treu bleiben. | Spätindikator | Korreliert direkt mit Mitarbeiterzufriedenheit, Vertrauen und Engagement. |
| Team-Autonomie-Index | Grad der Eigenverantwortung und Unabhängigkeit, die dem Team gewährt wird. | Frühindikator | Misst die Fähigkeit der Führungskraft, zu delegieren und Vertrauen zu schaffen. |
Die Analyse der traditionellen und modernen Führungsstile zeigt einen klaren Trend: Der Fokus der Führung hat sich von reiner Kontrolle und Verwaltung hin zu Vertrauen, Inspiration und Anpassungsfähigkeit verlagert. Während klassische Stile wie der autokratische Ansatz in bestimmten Kontexten nach wie vor funktionieren können, sind sie in ihrer Reinform nicht zukunftsfähig. Die zunehmende Komplexität der Arbeitswelt erfordert dynamische, situative und vor allem menschenzentrierte Ansätze. Die Trennung zwischen Führung und Management ist in der Praxis überholt; der ideale Leader ist heute in der Lage, visionäre Führung mit effizientem Management zu verbinden.
Das Ziel für jede Führungskraft sollte nicht sein, einen einzigen, „richtigen“ Führungsstil zu finden, sondern einen persönlichen Stil zu entwickeln, der flexibel genug ist, sich an unterschiedliche Teams und Situationen anzupassen. Die kontinuierliche Reflexion des eigenen Verhaltens und die Bereitschaft, von den Mitarbeitenden zu lernen, sind dabei entscheidend. Es ist ratsam, sich als Führungskraft die Frage zu stellen: “Wie kann ich mein Team am besten befähigen und unterstützen?” Anstatt zu kontrollieren, sollte der Fokus auf dem Schaffen von psychologischer Sicherheit und dem Setzen von klaren, vertrauensbasierten Rahmenbedingungen liegen.
Die Führung der Zukunft wird weiterhin von der digitalen Transformation, der Globalisierung und neuen Arbeitsmodellen geprägt sein. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, die fortschreitende Automatisierung von Routineaufgaben und die wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeit und Diversität werden die Anforderungen an Führungskräfte weiter verändern. Die Kernaufgabe, Menschen zu inspirieren, zu motivieren und eine Vision zu vermitteln, wird jedoch bestehen bleiben. In einer Welt, in der sich technologische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen rasant ändern, bleibt der Mensch das Zentrum der Führung. Die Fähigkeit, Empathie als strategischen Vorteil zu nutzen, wird zunehmend darüber entscheiden, welche Unternehmen nachhaltig erfolgreich sind.
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