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Altersdiversität nutzen

Sonderseiten im Handelsblatt zum 20. Jubiläum von Fair Company, erschienen am 28.10.2024: Fair Company Jubiläumsausgabe

Redaktion: Almut Steinecke, Grafik: Katharina Höhner

Altersdiversität
Generationenmix als GameChanger

Mehrere Generationen in Unternehmen? Gab es doch schon immer. Aber: Die Arbeitswelt verändert sich, aktuell so schnell wie nie zuvor. Und der Generationenmix gewinnt an Relevanz, Alt und Jung müssen jetzt zusammenarbeiten – so gut wie nie zuvor.

Nicht nur agile und digitale Transformationen treiben die Arbeitswelt an. Gerade in Deutschland macht der demografische Wandel Tempo. Das zeigen die Entwicklungen der letzten Jahre: Mehr als 20.000 Start-ups und 32 Unicorns zählt der deutsche Startup-Verband mittlerweile hierzulande. Bei den Unicorns (Start-ups, die nach Gabler vor dem Börsengang oder einem Exit mit einer Marktbewertung von über einer Milliarde US-Dollar bewertet werden) sind stolze 30 in den letzten fünf Jahren gewachsen, die den Traditionsunternehmen inzwischen gegenüberstehen.

Vom Arbeitgebermarkt zum Arbeitnehmermarkt

Und auch, wenn sie gerade einfach nur auf der Suche nach einem Job sind, fordern junge Menschen den Arbeitsmarkt neu. Denn der hat gedreht. Aus einem Arbeitgebermarkt ist ein Arbeitnehmermarkt geworden, bietet jungen Menschen viel mehr Auswahl als noch früher. Das steigert die Ansprüche. Sollte aber kein Grund für altersdiverse Traditionsunternehmen sein, zu resignieren.

Eher täten Companies gut daran, die aktuelle Situation als Aufforderung zu verstehen, Zusammenarbeit zwischen den Generationen neu zu nutzen. Und zwar genau jetzt, bekräftigt Rump: „Wenn wir heute schon diesen Fachkräftemangel haben und der sich in den nächsten Jahren weiterhin verschärft, dann kommt es vor allen Dingen darauf an, dass die, die jetzt da sind, gut, ja, möglichst perfekt miteinander zusammenarbeiten. Generationenmanagement hört sich immer so groß an, dabei ist es eigentlich nur Sensibilität für unterschiedliche Sozialisationen.“

Nina Mauser – (c) BSH
Prof. Dr. Jutta Rump – (c) Simon Wegener

Jungen Führungskräften verlangt das mehr denn je Flexibilität und großes Selbstbewusstsein ab – und starker Familienrückhalt fördert das natürlich. Diesen hatte Nina Mauser aus Schwäbisch Hall in Süddeutschland wie kaum eine Zweite. Die 26-jährige Führungskraft ist bereits seit ihrer Kindheit eng mit der Bausparkasse Schwäbisch Hall verbunden. Wie ihre Eltern und der ältere Bruder entschied sich auch Nina nach ihrem Abitur für das Unternehmen und eine Ausbildung zur Bankkauffrau.

Das schafft einen kantigen Alters-Gap. „Wir können davon ausgehen, dass in Start-ups vorwiegend, wenn nicht sogar ausschließlich junge Menschen arbeiten, die den Digitalisierungen unerschrocken gegenüberstehen, weil sie damit aufgewachsen sind“, schätzt Prof. Dr. Jutta Rump vom zukunftsweisenden Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) mit Sitz in Ludwigshafen. Gründen diese mutigen Jungen dann ein Start-up, das zum Unicorn wird, sind sie natürlich eine Riesenkonkurrenz am Markt.

Gespräche auf Augenhöhe führen

Heute ist sie erfolgreiche Teamleiterin in der Schwäbisch Hall Gruppe. Was würde sie einer jungen Führungskraft raten, die sich von einem älteren Mitarbeitenden nicht ernst genommen fühlt? „Ich würde der Führungskraft raten, das Gespräch mit dem Mitarbeitenden zu suchen und offen die Gedanken zu dem Konflikt anzusprechen“, sagt sie. „Dabei ist es wichtig, gemeinsam herauszufinden, worin der Widerstand des Mitarbeitenden ganz konkret liegt und dem Mitarbeitenden auch zuzuhören.“ Ist dieser rein fachlicher Natur oder gibt es vielleicht andere Hintergründe? Ganz wichtig, so Nina, „ist, dass das Gespräch auf Augenhöhe geführt wird“. Falls der Mitarbeitende dennoch nicht kooperativ ist, empfiehlt sie, das Gespräch zunächst zu beenden, sich von anderen Führungskräften Rat einzuholen und anschließend erneut den Dialog zu suchen.

Blockaden älterer Mitarbeitender sanft und respektvoll in eine Win-Win-Situation umzuwandeln, diese Mühe lohnt, davon ist auch Selina Schroeter überzeugt. Die 27-jährige LinkedIn Top Voice in der Kategorie „Next Generation“, Expertin für Gen Z und für Reverse Mentoring (Jüngere geben ihr Wissen an Ältere weiter), plädiert für den Generationenmix als Gamechanger für den Erfolg eines Unternehmens. Vorausgesetzt, Jüngere tauschen Unverbindliches gegen Einsatz und Ältere Angst gegen Mut. „Studien haben gezeigt, dass altersdiverse Teams zufriedener und ergebnisorientierter arbeiten“, sagt sie. „Führungskräfte profitieren davon“, so Schroeter, „weil sie Sichtweisen erhalten, die altershomogene Teams gar nicht entwickeln können und Dinge neu angehen, ohne im Voraus immer schon den ganz genauen Output zu kennen.“

Selina Schroeter – (c) Lina Retzlaff

Vorteile
Alterdiversität im Unternehmen

„Gelassenheit springt auf mich über“

Ein Paradebeispiel für Altersdiversität an der Spitze findet man bei der Deutschen Telekom mit dem Leadership-Tandem Gina Christin Jöllenbeck und Eric Frey. Die 28-jährige Jöllenbeck ist Vice President HR Business Partner bei der Telekom und seit acht Jahren im Haus. Seit 15 Monaten ist Jöllenbeck im Shared Leadership mit Frey, 54, als HR-Verantwortliche für die Vertriebskanäle des Unternehmens. Und Jöllenbeck schätzt den Austausch mit ihrem 26 Jahre älteren Kollegen sehr. Zum einen, weil sie sich so ähnlich sind, wie Jöllenbeck unterstreicht: „inhaltlich und in Bezug auf unsere Werteorientierung und Kultur haben wir eine gemeinsame Basis“. Und zum anderen, weil sie so verschieden sind. „Eric hat ja einen wahnsinnigen Erfahrungsschatz, der mir nur zugutekommen kann“, sagt Jöllenbeck, „denn natürlich hat er schon so viele Situationen durchlebt und gemeistert, die ich noch gar nicht durchleben und meistern konnte.“

Er geht mit einer ganz anderen Gelassenheit an die Dinge, „und diese Gelassenheit“, so Jöllenbeck, „springt auf mich über“. Umgekehrt weiß auch Frey die Zusammenarbeit für sich zu nutzen. „Im Alter läuft man gerne tradierte Pfade“, sagt er, „deshalb versuche ich, mich alle drei bis fünf Jahre zu häuten, damit ich nicht in eingetretenen Wegen stecken bleibe.“ Andere Perspektiven seiner jungen Kollegin helfen ihm dabei. „Und ich setze Dinge manchmal methodisch ganz anders um“, ergänzt Jöllenbeck.

Gina Christin Jöllenbeck – (c) Telekom
Eric Frey – (c) Telekom

Facettenreich kommentieren und Feedback geben

Gespräche mit der Belegschaft führten beide gemeinsam. „Und dadurch haben wir wirklich einen deutlich breiteren Blick auf die Mitarbeitenden“, so Frey. Durch ihr Miteinander seien sie ein Vorbild für Beschäftigte, die vom Alter her ebenfalls auseinanderliegen und deren Kommunikation sich verbessere. „Das optimiert den Wissenstransfer in Übergangsphasen, wenn zum Beispiel mal nicht sofort eine geeignete Nachfolge für eine Stelle gefunden wird“, unterstreicht Frey.

Aber was ist mit Unternehmen, deren Mitarbeitende vielleicht erst einmal zurückschrecken, wenn gleich zwei Führungskräfte mit ihnen ins Gespräch gehen? Und dann noch aus so unterschiedlichen Generationen? Da können beide aus eigener Erfahrung beruhigen. „Mitarbeitende sehen das über kurz oder lang sehr positiv“, ist Frey überzeugt, „weil zwei unterschiedlich alte Führungskräfte viel facettenreicher kommunizieren und Feedback geben.“

Mit einer anderen Frische, einem anderen Verständnis für Entwicklungsperspektiven. Und mit Tipps für eine Zukunft, die irgendwann alles kann – außer, zu warten.
Zum Beispiel auf gute Teams.

Fair Company Jubiläum

Fair Company Jubiläum

Seit 20 Jahren schafft Fair Company Transparenz für den Berufsstart. Initiiert wurde das Netzwerk 2004 vom Handelsblatt, um auch in einem schwierigen Arbeitsmarkt gute Bedingungen zu schaffen und der damaligen „Generation Praktikum“ einen besseren Berufsstart zu ermöglichen. Mit der Arbeitswelt und dem Wandel zum Bewerbermarkt verändern sich stetig auch die Kriterien, die Unternehmen zu einem attraktiven Arbeitgeber für Young Talents machen. Die Prüfung und Aufnahme als Fair Company erfolgt zusammen mit dem Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) als wissenschaftlichem Partner.

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    Liam R. Becker
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